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letzte Änderung 20.04.2008
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Se io lo sapessi ... Konditional oder Konjunktiv?

Einleitung

Bei dem ital. Wort se (wenn, falls) kommt es immer wieder zur Verwendung von falschen Zeiten, denn die italienische Sprache kennt - im Unterschied zur deutschen - neben dem Konjunktiv auch den Konditional.
Auf deutsch kann man den Konditional entweder mit würde + Infinitvform (auch Konjunktiv II Futur I genannt) oder mit einer anderen Konjunktivform bilden.

Dadurch ergibt sich für einer/einem Deutschsprachigen natürlich das Problem die richtige Zeitform im Italienischen zu finden.

Ausserdem stellt sich natürlich die Frage, ob bei se die Zeitform nur eine bestimmte sein kann oder, ob es mehrere Möglichkeiten gibt/gäbe.

Dieser Text soll einen Überblick darüber geben, welche Zeitform in einem Wenn ... dann (würde)-Satz eingesetzt wird.

Theorie

Da man die Unterscheidung, ob Konditional oder Konjunktiv nicht unbedingt an einer Zeitform des deutschen Satzes erkennen kann, muss man einen anderen Weg finden. Der Weg heißt Satzanalyse. Klingt schwierig, ist es aber eigentlich nicht.

Wenn man se auf deutsch mit wenn oder falls übersetzen kann, dann wird von einem Bedingungssatz gesprochen.


Wenn ich zu Hause bin, (dann) werde ich fernsehen.
Wenn ich zu Hause bin, (dann) sehe ich fern.


Wenn ich zu Hause wäre, (dann) würde ich fernsehen.
Wäre ich zu Hause, (dann) würde ich fernsehen.
Wenn ich zu Hause wäre, (dann) hätte ich ferngesehen.
Wäre ich zu Hause, (dann) hätte ich ferngesehen.
Wenn ich zu Hause gewesen wäre, (dann) hätte ich ferngesehen.
Wäre ich zu Hause gewesen, (dann) hätte ich ferngesehen.

Wenn ich zu Hause sein sollte, (dann) werde ich ferngesehen.
Sollte ich zu Hause sein, (dann) sehe ich fern.

Der erste Teil ist also eine Bedingung (Protasis - ital. (la) protasi):
Wenn ich zu Hause bin ...

Der zweite Teil ist die Konsequenz (Apodosis - ital. (l')apodosi {w}):
... (dann) werde ich fernsehen.

Ganz nach dem Motto: Wird die Bedingung nicht erfüllt, dann tritt (möglicherweise) eine andere Konsequenz in Kraft.

  • Die Bedingung wird als untergeordneter abhängiger Nebensatz zur Konsequenz (Hauptsatz) betrachtet.
  • In der Bedingung kann auf deutsch im hypothetischen Fall das einleitende Wort (z. B. wenn) auch entfallen.
    Im Italienischen ist dies nicht der Fall, es werden immer einleitende Worte (z. B. se) verwendet. Ausnahme: In der Umgangssprache fällt das se dann weg, wenn der Konjunktiv als Interjektion (Empfindungswort/Ausruf) verwendet wird:
    Hai studiato per l'esame? - Sapessi!
    Hast Du für die Prüfung gelernt? - Wenn Du wüsstest!
  • Eine Bedingung kann auch mit anderen Worten eingeleitet werden, am Prinzip der Zeitenverwendung ändert sich aber dadurch eigentlich nichts:
    nel caso che, nell'eventualità che = im Fall(e), dass
    qualora = falls, wenn
    ammesso che = vorausgesetzt/angenommen, dass
    purché = wenn ...(bloss/nur) ...
    malgrado = wenn ... auch ...
    posto che = angenommen, dass
    a condizione che, a patto che = unter der Bedingung, dass
    nell'ipotesi che = unter der Hypothese/Annahme, dass
    ...
    Nebenbemerkung: Ich habe deshalb "eigentlich nichts" geschrieben, weil sich Theorie und Praxis hier schon unterscheiden. Dazu später in den Ausnahmen mehr.
  • Die Bedingung (Protasis) kann im "ungünstigsten" Fall auch entfallen und man muss sie sich dazudenken.
    z. B. Ich würde nach Hause gehen. .... man kann sich z. B. folgendes noch dazudenken: wenn ich Du wäre. Gelingt es eine Bedingung für den Satz zu finden, dann heißt das an der Auswahl der richtigen Zeit ändert sich nichts.
  • Auch die Konsequenz (Apodosis) kann in seltenen Fällen entfallen und auch sie muss man sich ggf. dazudenken.
    z. B. Wenn ich ihm nur geschrieben hätte. .... man kann sich hier z. B. folgendes noch dazudenken: wäre ich jetzt glücklich. Was auch hier heißt: An der Auswahl der richtigen Zeit ändert sich nichts, es wird genauso betrachtet, also ob die Konsequenz vorhanden wäre.

Fallunterscheidung

Man kann also jetzt schon mal die Bedingungssätze erkennen.
Als nächstes muss man festlegen was man eigentlich meint, dazu folgende Unterteilung:

1) Die Bedingung und die daraus resultierende Konsequenz wird als real angesehen

Beispiele:

Se vado a casa, (mi) faccio il bagno.
Wenn ich nach Hause gehe, nehme ich ein Bad.
Se vado a casa, (mi) farò il bagno.
Wenn ich nach Hause gehe, werde ich ein Bad nehmen.
Se lui ha pagato il canone, guardo di nuovo la tv.
Wenn er die Gebühr bezahlt hat, sehe ich wieder fern.
Se lui ha pagato il canone, guarderò di nuovo la tv.
Wenn er die Gebühr bezahlt hat, werde ich wieder fernsehen.

Die Formen mit Futur in der Konsequenz sind die korrekteren, denn eigentlich ist die Konsequenz noch nicht eingetreten, aber auch die Gegenwartsform findet häufig Anwendung.

Protasis (Bedingung) | Apodosis (Konsequenz)
Indikativform | Indikativ- od. Imperativfrom
presente oder passato prossimo | presente, meist jedoch futuro

2) Sowohl die Bedingung als auch die Konsequenz sind hypothetischer (irrealer) Natur

Das ist das klassische wenn es so wäre, dann würde man Konstrukt.

Beispiele:

Se io andassi a casa, (mi) farei un bagno.
Wenn ich nach Hause ginge, würde ich ein Bad nehmen.
Se non ti scrivesse, lo avresti visitato?
Wenn er Dir nicht schriebe (= schreiben würde), hättest Du ihn besucht?
Se io fossi arrivato/a a casa, (mi) avrei fatto un bagno.
Wenn ich zu Hause angekommen wäre, hätte ich ein Bad genommen.
Protasis (Bedingung) | Apodosis (Konsequenz)
Konjunktivform | Konditional
congiuntivo imperfetto | condizionale presente/semplice oder condizionale passato/composto
congiuntivo trapassato | condizionale passato/composto
Ersatzzeiten:
Anstelle des congiuntivo trapassato in der Bedingung und/oder des condizionale composto
in der Konsequenz kann auch der (indicativo) imperfetto verwendet werden.
In den oben genannten Beispielen sind also auch folgende Formen zulässig.
Se non ti scrivesse, lo visitavi?
= ... lo avresti visitato?
Wenn er Dir nicht schriebe (= schreiben würde), hättest Du ihn besucht?

Anstelle des Satzes:
Se io fossi arrivato/a a casa, (mi) avrei fatto un bagno.
kann man also auch folgendes schreiben:

Se arrivavo a casa, (mi) avrei fatto un bagno.
Wenn ich zu Hause angekommen wäre, hätte ich ein Bad genommen.
Se io fossi arrivato/a a casa, (mi) facevo un bagno.
Wenn ich zu Hause angekommen wäre, hätte ich ein Bad genommen.
Se arrivavo a casa, (mi) facevo un bagno.
Wenn ich zu Hause angekommen wäre, hätte ich ein Bad genommen.

3) Die Bedingung ist hypothetisch und die daraus resultierende Konsequenz wird als real angesehen

Dieser Fall ist eigentlich selten, jedoch gbit es Situationen in denen man die Konsequenz als sicher betonen möchte.
Häufiger ist jedoch, dass man entweder Fall 1) verwendet und den hypothetischen Fall in der Bedingung opfert oder Fall 2) verwendet und dabei die Betonung der Sicherheit in der Konsequenz opfert.

Man muss hier auch noch zwischen der "alten" und "neuen" Grammatikversion unterscheiden.

Zuerst die "alte" Version:

Beispiele:

Se lui arrivi, ti do un regalo.
Wenn er kommen sollte, bekommst Du ein Geschenk.
Se lui arrivi, ti darò un regalo.
Wenn er kommen sollte, wirst Du ein Geschenk bekommen.
Se lui sia arrivato, ti do un regalo.
Wenn er angekommen sein sollte, bekommst Du ein Geschenk.
Se lui sia arrivato, ti darò un regalo.
Wenn er angekommen sein sollte, wirst Du ein Geschenk bekommen.
Protasis (Bedingung) | Apodosis (Konsequenz)
Konjunktivform | Indikativfrom
congiuntivo presente oder congiuntivo passato | presente oder futuro

Nun die "neue" Version:

Beispiele:

Se lui arrivasse, ti do un regalo.
Wenn er kommen sollte, bekommst Du ein Geschenk.
Se lui arrivasse, ti darò un regalo.
Wenn er kommen sollte, wirst Du ein Geschenk bekommen.
Se lui fosse arrivato, ti do un regalo.
Wenn er angekommen sein sollte, bekommst Du ein Geschenk.
Se lui fosse arrivato, ti darò un regalo.
Wenn er angekommen sein sollte, wirst Du ein Geschenk bekommen.
Protasis (Bedingung) | Apodosis (Konsequenz)
Konjunktivform | Indikativfrom
congiuntivo imperfetto oder congiuntivo trapassato | presente oder futuro

Es hat sich die neuere Version in der italienischen Sprache durchgesetzt, da man die möglichen Zeitformen
dann auf eine einfache Regel reduzieren kann.

Handelt es sich um einen Bedingungssatz, dann kommt in der Protastis (Bedingungsteil od. "se"-Satzteil) neben den Indikativformen
nur noch congiuntivo imperfetto (oder trapassato) vor.

Alternativformen

Handelt es sich um Fall 2 (also bei der Verwendung des condizionale in der Konsequenz),
dann können in der Bedingung (Protasis) auch folgende Modi verwendet werden:

  • gerundio
  • participio passato
  • a + infinitivo

Die letzten zwei Modi trifft man aber eher seltener an.

Beispiele:
Partendo in tempo, avrebbe meno problemi
Se partisse in tempo, avrebbe ...
Wenn er/sie rechtzeitig losfahren würde, hätte er/sie weniger Probleme.
Partita in orario, sarebbe tuttavia arrivata in ritardo.
Se fosse partita in orario, sarebbe ...
Wäre sie pünktlich losgefahren, wäre sie trotzdem zu spät angekommen.
A parlargli, avresti anche l'impressione di aver trovato un buon uomo.
= Se gli parlassi, avresti ...
Wenn Du ihn ansprächest (= ansprichst/ansprechen würdest), würdest Du auch das Gefühle haben einen guten Menschen getroffen/gefunden zu haben.

Ausnahmen

Die alternativen Einleitungen der Bedingung (Protasis)

Nach alternativen Einleitungen (z. B. purché, malgrado, nell'ipotesi che, ammesso che, ...)
wird immer der congiuntivo verwendet, auch wenn es sich um Fall 1) handelt.

Das "Wunder" des Konditionals beim se

Der Konditional nach se ist nur im Fall des hypothetischen Satzgefüges verboten,
also im Fall des wenn - dann (würde)-Satzes.
Auf deutsch kann man das se aber mit einem ob, obwohl, ... übersetzen.
In diesem Fall handelt es sich aber eigentlich nicht mehr um ein hypothetisches Satzgefüge und somit kann auch der Konditional nach se folgen.

Die indirekte Fragestellung

In der indirekten Fragestellung ist der Konditional nach einem se erlaubt,

  • wenn die Einleitung der indirekten Frage in der Vergangenheit ist und
  • wenn die eigentliche Frage als Zeit die Zukunft besitzt (Nachzeitigkeit)
Beispiele:
Gli chiese: "Gli scriverai una lettera?"
==> Gli chiese se gli scriverebbe una lettera.
Ti volevo chiedere: "Mi manderai una tua foto?"
==> Volevo chiederti se mi manderesti una tua foto.

Weiter ist der Konditional nach se erlaubt,

  • wenn in der direkten Frage auch der Konditional vorkäme.
Beispiele:
Mi chiedeva: "Mi potresti scrivere?"
==> Mi chiedeva se potrei scrivergli.
Mi chiede: "Sarebbe giusto scriverti?"
==> Mi chiede se sarebbe giusto scrivermi.

In den anderen Fällen der indirekten Frage, wird normalerweise der Konjunktiv
bevorzugt.

Die indirekte Rede

In der indirekten Rede sind alle Zeiten möglich, somit ist auch in diesen Fällen ein Konditional
nach dem se möglich.
Nebenbemerkung: Die Zeiten ändern sich, wenn die Einleitung in der Vergangenheit steht.

Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von
non sapere se (= nicht wissen, ob)
Auch hier ist der Konditional möglich.
Beispiele:
Non so se verrebbe.
Non so se va bene.
Non so se mi ha chiamato.
Ein Spezialfall ist die Einleitung chissà oder chi sa und man das allgemeine
Wer weiß (schon), ... meint. Also wenn man darauf keine Antwort erwartet.
Chissà se ci piacerebbe.
Chissà se ci incontreremo.

Das konzessive bzw. adversative se

Wird mit dem se ein Gegengrund (konzessiv) oder eine Gegendarstellung (adversativ) beschrieben, dann ist ebenfalls der Konditional möglich.

Der wohl bekannteste Fall liegt in der Anwendung von
anche se als obwohl, auch wenn
Da auf das anche verzichtet werden kann, gibt es auch Satzkonstruktionen
bei denen auf das se ein Konditional folgt:
Comprerei questo libro, anche se costerebbe moltissimo.
(Anche) Se costerebbe moltissimo, comprerei questo libro.
==> Ich würde dieses Buch kaufen, auch wenn es sehr viel kosten würde.
==> Obwohl es sehr viel kosten würde, würde ich dieses Buch kaufen.
Hier wird der Konditional verwendet um dem se den konzessiven Charakter zu geben.
Dagegen wäre ein:
Se costasse moltissimo, comprerei questo libro.
= Wenn es sehr viel kosten würde, würde ich das Buch kaufen.

In diesem Fall wird aus dem Satz wieder ein echtes hypothetisches Gefüge.

Im konzessiven/adversativen se liegen die meisten Streitfälle in der ital. Grammatik, denn es erzeugt Konflikte mit den Konjunktiv-Regeln,
besonders in der Verwendung der Synonyme für obwohl ... sebbene, benché, denn hier hat die Verwendung des Konjunktivs meiner Meinung nach Vorrang.

Quellen

Sintassi italiana - Tempi e modi nelle proposizioni condizionali, R. Fornaciari
se+condizionale - Forum della Accademia della Crusca
Scioglilingua - Corriere della Sera
ICLI - condizionale 1
"La lingua italiana", M. Dardano e P. Trifone, Zanichelli, 1985 - ISBN 88-08-05990-1

Auf Urheberrechtsvorwurf antworten
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